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RUBR I K

Reiter-Kurier · September 2017

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P F ERDEGESUNDHE T

Erste Hilfe durch die lebende Apotheke

Forschungsprojekt belegt großes therapeutisches Potiential von Blutegeln

I

mmer mehr Pferde erkran-

ken an Hufrehe. Häufig sind die

Pferdebesitzer ratlos. Doch ei-

ne schnelle Reaktion der Pferdehalter

kann über Leben und Tod des Pferdes

entscheiden. Eine effektive Maßnah-

me bei akuter Hufrehe ist das Anset-

zen von Blutegeln an den erkrankten

Gliedmaßen. Durch ihren Biss nehmen

sie nicht nur einen sanften Aderlass

vor, sondern sie führen dem Körper

des Erkrankten einen Wirktoffcock-

tail verschiedener Substanzen zu. Die

Wirkungsweise der bisher bekannten

Stoffe wird mit gerinnungshemmend,

antibiotisch, entzündungshemmend

und schmerzlindernd beschrieben.

Um das Potential dieser Thera-

pie für die Hufrehe auszuloten, hat

die Deutsche Huforthopädische Ge-

sellschaft e.V. (DHG e. V.) ein For-

schungsprojekt durchgeführt. Bundes-

weit wurden insgesamt 112 Fälle er-

fasst und ausge-

wertet, bei denen

Blutegel an Huf-

rehepatienten an-

gewendet wurden.

Es zeigte sich, dass die Blutegelthera-

pie vor allem im akuten Stadium der

Hufrehe eine außerordentlich hilf-

reiche Maßnahme darstellt. Bei allen

Pferden der Studie, bei denen die An-

wendung der Blutegel innerhalb von

72 Stunden nach dem Auftreten der

ersten Rehesymptome erfolgte, setzte

eine schnelle Besserung ein. In der Re-

gel war die Verbesserung bereits nach

24 Stunden zu sehen.(Quelle: Diagnose

Hufrehe v.Konstanze Rasch).

„All das kann ich nur bestätigen.

Mein Araber-Welsh Pony ist an Cus-

hing-Syndrom erkrankt, ist medi-

kamentös eingestellt und hat Hufr-

ehe bekommen“, erzählt Tierheilprak-

tikerin Barbara Klüber aus Amerang

(Landkreis Rosenheim). „Zum ersten

Mal habe ich Blutegel eingesetzt. Das

Bein umden Kronrand wird rasiert und

gesäubert, mit einer sterilen Spritzen-

nadel die Stelle, wo der Blutegel bei-

ßen soll, leicht angeritzt. An dem dort

erscheinenden Blutstropfen wird der

Egel angesetzt. Man setzt pro Huf vier

Egel, vorne in der Mitte des Hufes am

Kronrand, mittig auf beiden Seiten

und in der Mitte hinten.“ Diese Akti-

on kann bis zu zwei Stunden dauern.

Wenn er vollgesaugt ist fällt er ab und

kommt in ein separates Glas. Vor dem

Einsatz sollen sich Blutegel 24 Stunden

vom Transportstress erholen können.

„Nach einem Tag hat mein Pferd

an seiner Umwelt wieder Interesse

gezeigt, ist auf dem nassen, weichen

Sand in seiner Box ohne zu lahmen auf

mich zugelaufen. Seitdem ist keine Ver-

schlechterung mehr eingetreten.“ Klü-

bers Tipps für Rehepferde: Vorausset-

zung ist eine Ruheboxmit weichemBo-

den. Es sollte solange in Ruhe gelassen

werden, bis es sich von alleine bewe-

gen möchte. Als Futter kommt die er-

sten Tage nur Stroh in Frage, danach

Altheu mit Stroh vermischt, Koppel

nur mit Maulkorb.

www.barbaraklüber.de

Text/Foto:

Tierheilpraktikerin Barbara Klüber

Tel.: 08075-9130293, Mobil: 0171-8154148

Schnelle Besserung

bei Hufreheschub

Barbara Klüber, Tierheilpraktikerin

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