

Reiter-Kurier · September 2017
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T I T E LTHEMA : RE I TP LAT Z UND RE I TBODEN
Gesundheit geht vor
Unterschiedliche Böden – nicht nur beim Reiten
N
icht zu hart, nicht zu weich,
nicht zu rutschig, nicht zu
tief: Reitboden muss vor
allem Pferdegerecht sein. Harter Bo-
den ist für die Sehnen grundsätzlich
besser, als weicher. Allerdings nicht
für die Gelenke; vor allem, wenn in
hohem Tempo geritten wird. Hier ris-
kiert der Reiter langfristig Schäden
beim Pferd, wie Arthrose oder Gallen.
Insbesondere, wenn das Pferde mit
Hufeisen läuft – und damit über noch
weniger Stoßdämpfung verfügt. Pau-
schalisieren kann man nicht, sagt
die Physiotherapeutin und Pferde
osteopathin Christine Gineiger aus
Altenmarkt. „Die Belastungsfähig-
keit hängt sehr von der Haltung ab. Je
mehr Bewegung das Pferd schon vom
Fohlenalter an auf unterschiedlichen
Böden hatte, umso besser.“
Eine große Rolle spielt auch der
Trainingsstand. Je fitter das Pferd ist,
umso besser kann es die hohe Bela-
stung durch tiefe Böden wegstecken
– immer abhängig von der Dauer und
der Geschwindigkeit, mit der sich das
Pferd bewegt. Wer schon über einen
Sandstrand gejoggt ist, weiß, wie an-
strengend das ist. „Bei zu tiefem Bo-
den kommt es zu einer Überlastung
der Beugesehne und des Fesselträ-
gers. Die Überdehnung kann zu Ent-
zündungen führen, zu Sehnenschei-
den- und Hufrollenproblemen – also
dem Strahlbein, der Beugesehne und
dem Schleimbeutel“, erklärt Christine
Gineiger. Wer ein Pferd mit Sehnen-
problemen hat, der tut gut daran, tie-
fe Böden zu meiden. Wer sein Pferd
langfristig gesund halten möchte,
trainiert auf möglichst unterschied-
lichen Böden – und stellt ihm diese
auch im Paddock zur Verfügung.
Text:
Judith Schmidhuber