Reiter-Kurier November 2019

15 | Islandurlauber erleben nicht nur herrliche Pferde. Wasser ist auf der Insel das vorherr- schende Element. W asser ist in Island allgegen- wärtig, seien es das Meer, die Geysire, heiße Quellen oder Wasserfälle. Das ganze Süßwasser kommt anfangs vom Himmel herab. Wenn es regnet, sickert das Wasser in die Erde und füllt Spalten und Löcher im Grundgestein auf. Dieses Wasser unter der Erde wird Grundwasser genannt. In Gebieten, in denen der Boden porös ist, gelangt sehr viel Wasser in das Gestein und läuft dann in Richtung Meer ab. Kann das Regenwasser nicht in die Erde sickern, wie auf dichtem Gesteinsboden, so fließt es an der Oberfläche meerwärts. Dies ist vor allem in den Westund Ost- fjorden der Fall. Dieses oberflächlich ab- fließende Wasser bildet die unzähligen Flüsse und Wasserfälle in Island. Man kommt nahezu alle paar Kilometer an einem Wasserfall vorbei. Sei es ein Gi- gant, wie der 196 Meter hohe Giymur im Südwesten, der über Basaltsteine fallende, in einer Idylle gelegene Svarti- foss imNationalpark Skaftafell, die klei- nen, aber wunderschön und breit über viele Stufen fließenden Hraunfossar im Westen bei Reykholt oder der klei- ne Wasserfall direkt hinter dem Haus. Sie alle haben etwas, das uns fasziniert. Was es ist? Dieses Gefühl hinter einem 65 Meter hohen Seljalandsfoss hin- durch zu gehen, sich zum Fuße des Skö- gafoss hinzustellen und diese gewaltige Natur zu spüren. Sie wirken einerseits entspannend und wunderschön zum Ansehen, andererseits lösen Wasserfäl- le wie der Goöafoss oder der Gquoss ein angsteinflößendes und mächtiges Ge- fühl aus, wenn man an einem Abgrund steht und unter sich diese reißenden Massen sieht und spürt. Regnet es, dann fließt das Wasser ent- weder über die Oberfläche in Flüssen und Wasserfällen ab oder versickert in der Erde. In manchen Gebieten Islands, vor allem entlang der PIattengrenzen, kann das Wasser, durch das gespaltene Grundgestein, in größere Tiefe gelan- gen. Dort kommt es in Berührung mit heißem Gestein und wird erhitzt. Das heiße Wasser wird leichter und strebt erneut nach oben, wo es in sogenannten Geothermalgebieten an die Oberfläche tritt. Es gibt Hochtemperaturgebie- te und Niedertemperaturgebiete. Bei Ersterem wird das Wasser sehr schnell durch die Berüh- rung mit Magma erhitzt. Bei Zweitem wird das Wasser lang- sam mit zunehmender Tiefe er- hitzt. In der Nähe von Hverageröi gibt es einen Fluss, den stellenweise geothermale QueHen speisen. So kann man auch bei schlechtem Wetter und Schnee im warmen Wasser entspannen. Der Fluss Vestari-Jökulsä in Varmahh'ö bie- tet den Touristen, die eine Wild- wasserrafting Tour machen, ein ganz besonderes und unerwar- tetes Highlight. Bei einer be- sonders heiBen Queue wird ein kurzer Halt mit dem Boot gemacht und für die Mitfahrenden ein Kakao mit diesem heißen Wasser angerührt. Die heißen Quellen sind in Island unver- zichtbar. Stellt man sich nur vor, dass es in Island weder natürliche noch von Hand erschaffene Heißwasserquellen zum Baden, welche Hot Pot genannt werden, geben würde, und die ganzen davon abgeleiteten Schwimmbäder nicht existierten, so wären Land und Leute um einen großen Schatz ärmer. Nichts ist schöner, als sich nach einem anstrengenden kalten Tag in den heißen Hot Pot zu setzen und zu entspannen. Dieses heiße natürliche Wasser ist ein Lebenselixier für die Erholung von Kör- per und Geist. Die Niedertemperaturgebiete sind für die genannten geothermalen Quellen verantwortlich. Von dem erwärmten Wasser dieser Gebiete kann man die geothermische Energie direkt zum Heizen nutzen. Charakteristisch für Hochtemperaturgebiete sind extrem heißes Wasser oder auch Dampf. Dieser zeigt sich unvergleichlich bei den Geysiren. Auch aus Hochtemperaturge- bieten wird die Wärme für die Energieerzeugung verwendet. Hierbei wird meist der Dampf zur Herstellung von Elektrizi- tät genutzt oder Kaltwasser per Wärmeaustausch erhitzt. Text und Fotos von Eva Frischling Wundervolle Texte und Fotos hat Eva Frischling in ihrem Buch ?Lebensgefühl Island" veröf- fentlicht. Zu bekommen ist es für 44,90 Euro unter www.ef-verlag.com. Eiskalt oder sehrheiß November 2019

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